Text: Ralf J. Schumann
Erstveröffentlichung im Sammlermagazin "Trödler", Heft 02/2022
(leicht überarbeitete Fassung zur Veröffentlichung auf meiner Internetseite)
Letztmalig überarbeitet am 12. Dezember 2025.
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The history of the brand Keramik-Keruska (Design: Hanns Welling)
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Keramik-Keruska
Höhr-Grenzhausen
Man möchte meinen, daß Fragen zur Keramik der 60er und 70er Jahre doch relativ leicht zu beantworten sein dürften. Irgendwo wird es schon noch Archive, Dokumente oder Kataloge geben, die jeden gesuchten Hersteller, jeden gewünschten Dekornamen oder Produktionszeitraum und viele weitere Informationen preisgeben müßten.
Auch sollten sich in den Regionen der Hersteller noch Zeitzeugen finden lassen, die etwas über eine längst "verschwundene" Firma zu berichten wissen oder zumindest die damals produzierten Keramiken wiedererkennen und einordnen können. Das trifft in einigen Fällen auch tatsächlich zu, jedoch gibt es noch zahlreiche "Rätsel" zu lösen und zu einigen Herstellern wird es leider keine befriedigenden Antworten mehr geben, da die Keramiken der ersten Nachkriegsjahrzehnte bislang noch kaum in der Fachliteratur beschrieben und nur selten in Ausstellungen berücksichtigt worden sind.
Schriftzug der vermutlich im Jahre 1964 neu gegründeten "Keramik-Keruska", entworfen von Hanns Welling. Quelle: Die Schaulade, Ausgabe Januar 1965, Seite 32.
Keramik-Keruska
Mit fortschreitender Zeit wird es immer schwieriger, Informationen über alte Keramikserien der 1950er bis 1970er Jahre zu bekommen. Auch im Fall der "Keramik-Keruska" ist es leider nicht mehr möglich, alle für Sammler wichtigen Fragen zu beantworten und genaue Details zum Hersteller und zur Produktion herauszufinden. Es gibt zwar glücklicherweise einige alte Werbeanzeigen, aber weitergehende Informationen über den Firmengründer sowie zur Produktionsdauer der derzeit bekannten Keramiken scheinen leider nicht mehr erhältlich zu sein. Es bleibt also nichts anderes übrig, als die gefundenen Puzzlestücke zusammenzusetzen und so der Firmenhistorie einigermaßen nahe zu kommen.
Die Vorderseite der ersten Keramik-Keruska Werbeanzeige aus der Zeitschrift "Die Schaulade", Ausgabe Januar 1965
(Redaktionsschluß im Dezember 1964), Seite 31: "Weil Keramik immer beliebter wird... deshalb fanden wir einen neuen Stil, deshalb schufen wir einen neuen Begriff: Keramik von internationaler
Prägung, Keramik exclusiv für den Fachhandel..."
Die von Hanns Welling handgezeichneten Entwürfe zeigen schon den gewollten rustikalen Charakter des gesamten Produktionsprogramms.
Im Januar und Februar 1965 tauchen in zwei gängigen Zeitschriften für den Fachhandel plötzlich Werbeanzeigen für einen ganz neuen Hersteller auf: Unter dem Namen Keramik-Keruska wird damit geworben, einen "neuen Stil" und einen "neuen Begriff" für Keramik "von internationaler Prägung" geschaffen zu haben. Die Produkte der "Keramik-Keruska" sollen exklusiv für den Fachhandel und auf hohem Niveau für einen anspruchsvollen Kundenkreis hergestellt werden. Das neue Programm wurde dann erstmals auf der Frühjahrsmesse 1965 in Frankfurt vorgestellt. Da der Redaktionsschluß der Januar-Ausgabe der Fachzeitschrift "Die Schaulade" im Dezember des Vorjahres lag, muß die Gründung der Keramik-Keruska noch im Jahre 1964 erfolgt sein. Die teuren, doppelseitigen Werbeanzeigen lassen auf einen Hersteller mit Finanzkraft und großen Produktionskapazitäten schließen. Der hohe Werbeaufwand sollte ja schließlich einen entsprechend großen Auftragseingang nach sich ziehen. Was steckt aber hinter dem Namen "Keramik- Keruska"?
Die Rückseite der ersten Keramik-Keruska Werbeanzeige aus der Zeitschrift "Die Schaulade", Ausgabe Januar 1965 (Redaktionsschluß im Dezember 1964), Seite 32: "Ein Reichtum an Formen und Dekoren, differenziert in Farben und Material, begegnet Ihnen bei allen unseren Erzeugnissen. Wir stellen Ihnen ein Angebot von hohem Niveau in zeitgerechter Form zur Verfügung, mit dem Sie die Wünsche eines anspruchsvollen Kundenkreises wecken und erfüllen können. Zum erstenmal finden Sie uns auf der Frühjahrsmesse 1965 in Frankfurt. Sie sollten aus nächster Nähe zu uns hineinschauen! Willkommen in Frankfurt! Halle 4, Stand 977."
Laut Herrn Roland Giefer vom
Dokumentationszentrum Kannenbäckerland handelt es sich bei dem Namensgeber der Firma um einen Herrn Keruska aus Ungarn. Leider ist trotz intensiver Recherche nichts weiter über Herrn Keruska
herauszufinden [Anmerkung 2025: Da der Name "Keruska" nach weiteren Recherchen als Familienname unbekannt zu sein scheint, wäre auch eine Wortschöpfung aus den Begriffen
"Keramik" und "rustikal" denkbar].
Die Anschrift der neuen Firma verrät allerdings mehr: Die Adresse Töpferstraße 5-7 in Höhr-Grenzhausen war damals der Firmensitz des bekannten Traditionsunternehmens Simon Peter Gerz. Und nicht nur die Anschrift ist gleich: Es wurde sogar die gleiche Telefonnummer in den Werbeanzeigen erwähnt. Handelte es sich bei Keramik-Keruska also um eine eigenständige Firma oder lediglich um eine neue Sparte der Firma Gerz? Die Zierkeramik-Serien der Firma Simon Peter Gerz GmbH aus den 1950er bis 1970er Jahren habe ich bereits in der Trödler-Ausgabe vom April 2015 ausführlich beschrieben [Der Artikel findet sich überarbeitet als Blog-Beitrag hier]. Dort sind auf Seite 16 auch Dekore der Gerz-Serien "Antigone", "Budapest" und "Canazei" abgebildet, die sehr an die Produkte der "Keramik-Keruska" erinnern, die jedoch meist auf damals zwar erfolgreichen, aber schon einige Jahre alten Gerz-Formen aufgetragen wurden. Der rustikale Stil der Dekore und die handgeritzten Dekornamen auf der Unterseite der Keramiken sind den Keruska-Produkten aber schon sehr ähnlich und scheinen aus der Hand des gleichen Entwerfers zu stammen.
Links: Krugvase Form 103 (ca. 17 cm hoch) mit Dekor "Azur". Das in Handarbeit aufgetragene Dekorband in Schuppenform ist in einem dunkleren Ton als die blaue Grundglasur gehalten. Foto/Sammlung: Michael Kempf
Rechts: Vase Form 203 (20 cm hoch), mit Dekor "Teneriffa". Die leuchtend-rote Glasur sticht aus dem sonst rustikal gehaltenen Dekorprogramm heraus. Foto/Sammlung: James Noble
Hanns Welling
Der Designer der Keruska-Keramiken wird in späteren Werbeanzeigen stolz genannt: "Hanns Welling hat diese Keramiken für den Fachhandel entworfen." Weiter heißt es: "Gesunde, klare Formen, hohe Qualität und individueller Charme - damit erfüllen Sie die Wünsche eines anspruchsvollen Kundenkreises."
Nun erklärt sich auch die Ähnlichkeit der handgeritzten Bodenmarkierungen auf den Keruska-Keramiken mit den Markierungen auf Produkten der Firma Ceramano aus Baumbach, bei der Hanns Welling vorher von 1958 bis Ende 1961 beschäftigt war und für die er wohl auch danach noch eine Zeit lang als freier Mitarbeiter Entwürfe lieferte.
Bei Ceramano hatte Hanns Welling in den ersten Jahren nicht nur sämtliche Keramik-Serien entworfen, sondern war auch für die Konzeption des gesamten Produktprogramms sowie für die Gestaltung der Werbung und der Messestände zuständig (Quelle: Horst Makus: Keramik der 50er Jahre, Seite 372). Auch die Gestaltung der Werbeanzeigen sowie das Gesamtkonzept der Produktion der "Keramik-Keruska" wird auf die Ideen von Hanns Welling zurückgehen, der diese ihm eigene Vorgehensweise auch kurze Zeit später bei seiner Tätigkeit für die Firma W. Goebel beibehalten hat (Quelle: Porzellan + Glas, Ausgabe April 1967, Seite 183).
Original-Werbefoto von Keramik-Keruska. Gezeigt werden Vase Form 201 (10 cm hoch) und Vase Form 204 (25 cm hoch) mit dem Blatt-Dekor "Ontario": Ornamente aus heller Schaumglasur wurden auf eine schwarz-braune Grundglasur aufgetragen.
Quelle: Die Schaulade, Ausgabe Januar 1965, Seite 107.
Hanns Welling (1924-2008) ist nicht nur durch seine Arbeit für die Firma Ceramano in Sammlerkreisen bekannt und geschätzt. Nachdem er sein durch den zweiten Weltkrieg unterbrochenes Studium der Malerei und Graphik einige Zeit nach Kriegsende wieder aufnehmen und 1951 beenden konnte, wurde ihm 1952 die künstlerische Leitung der neu gegründeten Keto-Keramik in Lantershofen übertragen (Quelle: Horst Makus: Keramik der 50er Jahre, Seite 520). Seine bei Keto entstanden Arbeiten sowie die Entwürfe für die Firma Ruscha (Rudolf Schardt, Keramische Werke, Rheinbach) bei der er anschließend von 1956 bis 1958 tätig war, sind heute gesuchte Sammlerstücke. 1958 wurde Hanns Welling von Jakob Schwaderlapp, dem Eigentümer der Firma Jasba aus Baumbach, als künstlerischer Leiter für die im Jahre 1959 erfolgte Neugründung der Firma Ceramano angeworben. Welling war dort - laut Horst Makus - bis Ende 1961 beschäftigt und war anschließend noch bis ins hohe Alter als freier Designer für unterschiedliche Firmen tätig.
Ob die bereits erwähnten rustikalen Gerz-Zierkeramik-Dekore Antigone, Budapest und Canazei - deren Namen auffälligerweise mit A, B und C beginnen ("Corvara", das vierte bekannte Dekor aus dieser Serie, ist lediglich eine Farbvariante von "Canazei" und beginnt deshalb wohl ebenfalls mit dem Buchstaben "C) - auch von Hanns Welling entworfen worden sind, bleibt Spekulation. Der Name Welling wird in den Werbeanzeigen von Gerz nicht erwähnt. Die Ähnlichkeit dieser Dekore zu den Welling-Entwürfen für Ceramano und Keramik-Keruska sowie die fast gleiche Art der Bodenmarkierung lassen dies jedoch vermuten.
Links: Original-Werbefoto von Keramik-Keruska. Gezeigt werden Krugvase Form 101 (13 cm hoch) und Leuchter Form 301 (6 cm hoch) mit Dekor "Turmalin". Quelle: Die Schaulade, Ausgabe Januar 1965, Seite 107.
Rechts: Vase Form 204 (25 cm) mit Dekor "Turmalin": Matte, braun-grüne Grundglasur, die runden Ornamente sind mit grün-blauer Glasur gefüllt. Auf der Vase ist noch der alte Firmenaufkleber erhalten. Foto/Sammlung: Guido Van den Heule
Keruska-Formen
Anscheinend gab es von der Keramik-Keruska nur neun oder zehn Krugvasen mit Formummer von 101 bis 109 und sechs Vasen mit Formnummern von 201 bis 206. Dabei wurde jede Form wohl nur in einer einzigen Größe hergestellt. Interessanterweise haben die Vasen und Krugvasen mit aufsteigender Formnummer auch jeweils eine größere Höhe. Des weiteren gab es noch mindestens drei Kerzenhalter mit den Formnummern 301 (6 cm hoch), 302 (15 cm hoch) und 303 (48 cm hoch) sowie eine Schale, deren Formnummer noch nicht herausgefunden werden konnte. Die Krugvase 105 (31 cm hoch) ist auch als Lampenfuß mit Birnenfassung und Loch für das Kabel bekannt.
Zusätzlich gab es noch eine Geschirrserie, auf die ich weiter unten eingehen werde.
Sämtliche Modelle scheinen alle bereits 1964 zur gleichen Zeit entstanden zu sein. In der ersten bekannten Werbeanzeige vom Januar 1965 sind jedenfalls schon etliche der Formen von Hanns Welling gezeichnet dargestellt. Auch die zunehmende Größe bei aufsteigender Formnummer spricht für eine komplette Serie, die gleichzeitig entworfen wurde.
Ausschnitte aus einer Werbeanzeige vom August 1965. Gezeigt werden die Dekore "Sahara" (gelb), "Savanne" (grün), "Sierra" (braun) und "Aleppo" (mit Ornament).
Quelle: Die Schaulade, Ausgabe August 1965, Seite 1015.
Keruska-Dekore
Bislang sind zwölf verschiedene
Dekore auf den Modellen von Keramik-Keruska bekannt. Im Januar 1965 wurden die Dekore "Ontario" und "Turmalin" im redaktionellen Teil der
Zeitschrift "Die Schaulade" auf Seite 107 vorgestellt. Im August 1965 folgte eine ganzseitige Farbanzeige, auf der die drei schlicht gehaltenen Dekore "Sahara" (gelb), "Savanne" (grün) und
"Sierra" (braun) sowie die Serie "Aleppo" (mit Ornament) zu sehen sind. Diese schlichte Dekorserie wurde durch eine blaue Variante namens "Sumatra" (in der Werbeanzeige nicht abgebildet) ergänzt.
Im Oktober 1965 ist dann Dekor "Country" zu sehen (der Dekorname wird dort jedoch nicht erwähnt).
Zusätzlich gab es noch die drei hier gezeigten Dekore "Azur" (dunkelblau), "Hellas" (hellblau) und "Teneriffa" (leuchtend rot) sowie ein Dekor, dessen Namen noch nicht herauszufinden war. Die Dekornamen sind jeweils handgeritzt auf der Unterseite der Keramiken zu finden.
Links: Krugvase Form 106 (40 cm hoch) und Leuchter 301 (6 cm hoch) mit Dekor "Hellas". Foto/Sammlung: Guido Van den Heule
Rechts: Leuchter Form 301 (6 cm hoch) mit Dekor "Sierra". Die mattbraune Grundglasur wird durch die leuchtend gelbe Glasur auf der Oberseite aufgelockert.
Foto/Sammlung: Michael Kempf
Keruska-Geschirr
Hanns Welling entwarf zur Komplettierung des Keruska-Sortiments noch eine eigenwillige Geschirrserie namens "Provence", von der aber bislang keine Einzelteile antiquarisch oder in Sammlungen zu finden waren. Es ist leider nicht bekannt, ob die Geschirrserie bereits nach kurzer Zeit wieder eingestellt wurde und, falls dies zutrifft, aus welchem Grund dies geschah. Große Stückzahlen scheinen jedoch nicht produziert worden zu sein.
Auffällig ist jedoch, daß die sehr markante Geschirrform nur wenig später, nämlich ab Anfang 1967, in nur leicht veränderter Form von der Firma W. Goebel in einem extra für diesen Zweck errichteten Werk unter der neuen Marke "OPM" (Oeslauer Porzellan Manufaktur W. Goebel) produziert und in mehrseitigen Anzeigen in den einschlägigen Fachzeitschriften beworben wurde. Goebel warb dabei ausdrücklich mit dem Namen Hanns Welling und druckte sogar ein Foto des Designers in der Werbeanzeige ab. Die betreffende Geschirrform "Country" war bei OPM/Goebel sehr erfolgreich und blieb über 20 Jahre lang mit wechselnden Dekoren im Programm.
Da die gestalterischen Ähnlichkeiten bei der OPM-Form "Country" zur Keruska-Form "Provence" nicht zu übersehen sind, stellt sich die Frage, warum die eine Serie eingestellt wird während sich die andere schlagartig auf dem Markt erfolgreich etablieren kann. Eine Antwort darauf wird wohl leider nicht mehr zu erhalten sein.
Geschirr-Serie "Provence", abgebildet in einer Werbeanzeige vom März 1965. Die Anzeige versprach: "Provence gehört zu den 'besonderen Dingen'. Man braucht sie nicht erst zu testen, weil sie für sich sprechen..." Quelle: Die Schaulade, Ausgabe März 1965, Seite 341.
Weitere Teile der Geschirr-Serie "Provence" wurden im Frühjahr 1965 in handgezeichneten Skizzen von Hanns Welling vorgestellt. Die so gestaltete Werbeanzeige sollte dem Leser dadurch vermitteln, daß den Keramiken ein künstlerischer Entwurf zugrunde liegt. Quelle: Die Schaulade, Ausgabe März 1965, Seite 341.
Die Ähnlichkeit zur Keruska-Serie "Provence" ist nicht zu übersehen: Die Geschirr-Form "Country" von der OPM (Oeslauer Porzellan Manufaktur W. Goebel) wurde im April 1967 in ganzseitigen Werbeanzeigen samt Nennung des Entwerfers Hanns Welling beworben. Hier zu sehen ist das Geschirr mit den Dekoren "Finmark" (Türkisblau) und "Toskana" (Zitronengelb). Des weiteren gab es noch eine braune Variante mit dem Dekornamen "Provence" (sic!). Quelle: Die Schaulade, Ausgabe April 1967, Seite 437.
Die Spur verläuft im Sande
Im Januar 1966 versprach Keramik-Keruska der Kundschaft in einer Werbeanzeige zur Frühjahrsmesse in Frankfurt noch interessante Neuheiten für den Fachhandel. Die letzten bekannten Werbeanzeigen der Firma vom August und Oktober 1966 zeigen aber nur die Serie "Turmalin", die bereits im Januar 1965 in der Schaulade (mit dem bereits erwähnten Redaktionsschluß im Dezember 1964) abgebildet wurde. Also doch keine Neuheiten mehr, nur kurze Zeit nach Gründung der Keramik-Keruska? Hanns Welling war vermutlich sehr mit seinen Entwürfen für die OPM beschäftigt, für die er bereits seit 1965 tätig war. Neben der oben genannten Geschirrform "Country" entwarf Welling passende Vasenserien und gestaltete - wie auch bereits bei Ceramano und Keramik-Keruska, die Werbeanzeigen und den kompletten neuen Messestand. Ganz nebenbei entwarf er auch noch das Suppen-Set "Piroschka" für die Firma Villeroy & Boch (1965). An Beschäftigung mangelte es ihm also im Zeitraum 1965 bis 1967 offensichtlich nicht.
Vielleicht war es aber auch der Produzent Gerz, der sich nicht mehr ausreichend um die Keramik-Keruska kümmern konnte und entweder die Zusammenarbeit mit Herrn Keruska oder die Sparte Keramik-Keruska (je nach Konstellation der damaligen Zusammenarbeit) auslaufen ließ. Die Firma Gerz war mit ihren eigenen Sortimenten sehr erfolgreich und hatte ihren Umsatz in der kurzen Zeit von 1963 bis 1966 bereits verdoppelt. Die Kapazitätsgrenze des Betriebes in Höhr-Grenzhausen war erreicht und die Geschäftsleitung des Unternehmens war 1966 mit der Suche nach einem neuen Firmensitz und der Planung für das neue Werk beschäftigt. Noch im selben Jahr wurde ein neuer Standort im benachbarten Sessenbach gefunden und nach nur siebenmonatiger Bauzeit wurde die Arbeit im neuen Werk ab Mitte 1967 aufgenommen.
Die Spur der Keramik-Keruska verliert sich hiermit. Nach Oktober 1966 finden sich keine Werbeanzeigen mehr in den einschlägigen Fachzeitschriften. Der Firmenname ist leider auch nicht im Handelsregister, im Stadtarchiv oder in alten Adressbüchern zu finden. Vielleicht war es wirklich nur eine kurzlebige Sparte der Firma Gerz, die durch den Umzug nach Sessenbach und die Vielbeschäftigung von Hanns Welling "untergegangen" ist. In der kurzen Produktionszeit von 1965 bis 1966 wurde aber anscheinend eine nicht geringe Anzahl von Vasen produziert, von denen zahlreiche Exemplare in Sammlungen "überlebt" haben oder im Internet zum Kauf angeboten werden.
Werbeanzeige vom August 1965, gestaltet von Hanns Welling. Die Skizze mit den verschiedenen Formen wurde zuvor bereits im Januar 1965 in einer anderen Werbeanzeige verwendet. Zur Herbstmesse gab es demnach kein neues Werbematerial. Quelle: Die Schaulade, Ausgabe August 1965, Seite 1016.
Text der Werbeanzeige:
"Modern und handwerklich gestaltete Keramik in vielen Formen präsentiert unser geschmackvolles Sortiment. Hanns Welling hat diese Keramiken für den Fachhandel entworfen. Gesunde, klare Formen, hohe Qualität und individueller Charme - damit erfüllen Sie die Wünsche eines anspruchsvollen Kundenkreises. Unsere Herren vom Verkauf sind auf unserem neuen, attraktiven Messestand und freuen sich schon jetzt auf Ihren Besuch. Frankfurter Herbstmesse, Halle 3 (Walter-Kolb-Halle), Stand 5640.
Werbeanzeige aus der Zeitschrift "Die Schaulade", Ausgabe Januar 1966, Seite 58: Zur Frühjahrsmesse in Frankfurt/M. 1966: Halle 4, 3. Obergeschoß, Stand 977a mit interessanten Neuheiten für den Fachhandel..." Das dargestellte Ornament bezieht sich wohl auf eine der angekündigten Neuheiten, konnte aber bislang nicht auf Objekten von Keramik-Keruska entdeckt werden.
Die Firma Gerz hat einige der anscheinend sehr gut verkäuflichen Vasenformen auch noch nach dem Umzug nach Sessenbach weiter produziert, allerdings mit typischen, Gerz-Glasuren (z. B. einfarbig in leuchtendem Orange oder Rot) und ohne die handschriftlich geritzten Formnummern oder Dekornamen auf der Unterseite. Die Formnummern der jeweiligen Keruska-Modelle wurden später bei Gerz beibehalten, aber nur in seltenen Fällen sind diese geprägt auf dem Vasenboden zu finden. Meist sind die Gerz-Keramiken mit den Keruska-Formen unmarkiert und nur manchmal durch einen Gerz-Firmenaufkleber zu erkennen. Noch im April 1969 warb Gerz mit zwei Keruska-Modellen (Krugvase Nr. 105 und Vase Nr. 202) in einer Werbeanzeige und schrieb dazu: "Keramik vollendet in Form und Farbe". Der Name Hanns Welling wurde nicht in der Anzeige erwähnt, es war allerdings auch eine dritte Vase (nach einem Entwurf von Klaus Schwebsch) mit abgebildet. Vermutlich blieben die erfolgreichen Vasenformen von Hanns Welling noch einige Zeit im Gerz-Programm, aber nach und nach gewann - wie allgemein in der Keramik-Branche - der Geschirr-Sektor bei Gerz immer mehr an Bedeutung und die Zierkeramik-Serien wurden langsam eingestellt. Des weiteren hatten bei Gerz traditionell auch Bierkrüge immer einen sehr großen Anteil an der Produktion.
Links: Originalfoto aus einer Keruska-Werbeanzeige. Links hinten Krugvase Form 108 (50 cm hoch) mit Dekor "Country", rechts hinten Leuchter 303 (48 cm). Die Formnummer der kleineren Krugvase vorne ist leider unbekannt. Quelle: Porzellan + Glas, Ausgabe Oktober 1965, Seite 39.
Rechts: Werbeanzeige der Simon Peter Gerz GmbH vom April 1969. Vorne links ist die Keruska-Form 202 (13 cm hoch) und in der Mitte die Keruska-Krugvase 105 (31 cm hoch) zu sehen. Rechts findet sich die Gerz-Form 2026/25 (25 cm hoch) nach einem Entwurf von Klaus Schwebsch. Gerz produzierte diese Keruska-Vasen gegen Ende der 60er Jahre oft mit einfarbigen, leuchtenden Glasuren in Orange oder Rot, es sind aber auch andere Dekore bekannt. Quelle: Die Schaulade, Ausgabe April 1969, Seite 637.
Der Name Keruska ist heute nur noch durch die handgeritzten Aufschriften auf den noch erhaltenen Keramiken bekannt. Dieser Artikel ist ein Versuch, mit den recherchierten Informationen ein wenig Licht in die Geschichte der Keramik-Keruska zu bringen und somit den Namen in den einschlägigen Archiven zu erhalten.
Vielen Dank an Michael Kempf, James Noble und Guido Van den Heule für die Zurverfügungstellung von Objektfotos sowie an Herrn Roland Giefer vom Dokumentationszentrum Kannenbäckerland für seine freundliche Unterstützung bei den Nachforschungen in Höhr-Grenzhausen.
Ralf J. Schumann (2022, überarbeitet 2025)
Keramik-Keruska Bodenmarkierung
Links: Die Produkte der Keramik-Keruska tragen stets handgeritzte Markierungen auf der Unterseite. Neben dem Firmennamen ist hier der Vermerk "Handarbeit" (der manchmal fehlen kann) sowie der Dekorname, die Herkunft "Germany" und die Formnummer zu lesen. Foto/Sammlung: James Noble
Rechts: Bodenmarkierung einer Gerz-Vase Form 1070/16 mit dem Dekor "Antigone". Die ausführende Person scheint gemäß der unübersehbaren Ähnlichkeit der Handschrift die gleiche zu sein, die auch die hier abgebildete Keruska-Vase mit Dekor "Teneriffa" markiert hat. Dies ist ein weiterer Hinweis darauf, daß die Produkte von Keramik-Keruska bei Gerz hergestellt worden sind. Foto/Sammlung: Ralf J. Schumann
Copyright: Ralf J. Schumann 2025.
Bitte erwähnen Sie beim Zitieren aus
dem Artikel den Autorennamen Ralf J. Schumann und meine Website.
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Dieser Artikel erschien zuerst in der Sammlerzeitschrift "Trödler", Heft 2/2022.
(Informationen über weitere bisher erschienene Artikel finden sich hier)
Gegenüber der damals erschienenen Version wurden folgende Korrekturen und Ergänzungen vorgenommen:
- Anmerkung zur eventuellen Herkunft des Namens "Keruska".
- Abbildung der vollständigen Werbeanzeige aus dem Januar 1965.
- Abbildung einer Werbeanzeige vom Januar 1966.
- Die Texte der Werbeanzeigen sind als Bildunterschriften wiedergegeben,
damit sie online übersetzt werden können.
- Die Formnummer 303 (Kerzenleuchter mit 48 cm Höhe) konnte ermittelt werden.
- Der Dekorname "Country" konnte ermittelt werden.














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